Dr. Barbara Senckel

dr_barbara_senckel

Es gibt viele Definitionen für geistige Behinderung. In Fachkreisen spricht man heute nicht mehr von geistiger Behinderung. Man nennt die Behinderung dieser Menschen treffender kognitive Beeinträchtigung. Die deutsche Psychologin Dr. Barbara Senckel hat viel über Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung geforscht. Dr. Barbara Senckel ist Psychologin und Dozentin an der Fachschule für Heilerziehungspflege und Heilpädagogik der Diakonie Stetten in Waiblingen. Die Beschäftigung mit den Problemen geistig behinderter Menschen gehört zu den Schwerpunkten ihrer Arbeit:

"Auch Menschen mit schwerer kognitiver Beeinträchtigung können durch eine intensive Begleitung sowie liebevolle und fürsorgliche Betreuung die Potenziale ihrer Persönlichkeit entfalten".

„Ein geistig behinderter Mensch ist in seiner Fähigkeit beeinträchtigt, Reize, die er aus seiner Umwelt oder seinem Körperinneren aufnimmt, in sinnvolle Informationen umzuwandeln und angemessen zu reagieren. Das heißt nicht, dass er das nicht lernt. Aber das geistig behinderte Kind braucht viel länger, um elementare Zusammenhänge zu erfassen und Handlungsfolgen zu begreifen. Es lernt beispielsweise nicht so schnell, dass ein Gegenstand auch dann noch weiter existiert, wenn er aus seinem Gesichtskreis verschwindet. Folglich wird es beispielsweise das Verschwinden des Gegenstandes hinnehmen und sich nicht umblicken oder gar suchen. Das behinderte Kind wird auch nicht so schnell lernen, dass ein bunter Gegenstand rasselt, wenn es ihn schüttelt. Damit aber erfährt sich das geistig behinderte Kind immer wieder als unfähig, Einfluss auf die Geschehnisse zu nehmen und die Welt nach eigenen Wünschen mitgestalten zu können. Das wiederum hat entscheidenden Einfluss auf die bewussten Steuerungsfähigkeiten des Menschen. Das geistig behinderte Kind ist beeinträchtigt in seinen Möglichkeiten der Urteilsbildung, der Realitätsprüfung und der gedanklichen Vorausschau von Handlungen. Das führt zu einer Ich-Schwäche und, wenn sich die Misserfolge häufen, zu wiederkehrenden Frustrationen. Aus diesen können wiederum problematische Verhaltensweisen resultieren.

Dies kann dann zusätzliche Ablehnung nach sich ziehen. Natürlich hat das Folgen. Menschen mit einer geistigen Behinderung sind ja nicht automatisch auch psychisch krank. Sie können es aber werden, nämlich dann, wenn sie immer wieder Ablehnung, Zurücksetzung, Ausgrenzung und Entwertung erleben müssen. Hinzu kommt, dass diese Kinder aufgrund gesundheitlicher Probleme oder wegen Gedeihstörungen häufiger eine ärztliche oder gar klinische Behandlung über sich ergehen lassen müssen und dann nicht selten aus der vertrauten Umgebung gerissen und von ihren Bezugspersonen getrennt werden. Das alles führt immer wieder zu schweren Traumatisierungen, die dann auch psychische Erkrankungen nach sich ziehen können.

Entsprechendes Wissen und eine grundlegend positive, wertschätzende Einstellung gegenüber Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung kann einer problematischen Verhaltensweise vorbeugen.“

helena_kisling

Lenas Perspektive: Die sichere Bindung
Die entwicklungsfreundliche Beziehung - ein Angebot auch für geistig behinderte Menschen mit problematischem Verhalten



zurückoben
Potenzial

Ablehnung, Zurücksetzung, Ausgrenzung, Nicht verstanden werden und Entwertung können psychisch krank machen.
Dr. Barbara Senckel
Psychologin
Auch Menschen mit schweren kognitiver Beeinträchtigung können durch eine intensive Begleitung sowie liebevolle und fürsorgliche Betreuung die Potenziale ihrer Persönlichkeit entfalten.
Dr. Barbara Senckel
Psychologin