Der Hintergrund

Die 1996 geborene Helena leidet seit ihrer Geburt unter Tuberöse Sklerose. Diese Krankheit schränkt ihre geistigen Fähigkeiten stark ein und löst immer wieder verschiedene, zum Teil schwere Erkrankungen aus. Das fordert ein grosses Engagement bei der Betreuung. Ihre alleinerziehende Mutter Veronika Kisling stellt sich dieser herausfordernden Aufgabe.

Drastische Kürzung bei der IV

Dank dem Pilotprojekt Assistenzbudget der IV, das während fünf Jahren einen wichtigen Beitrag an den Haushalt der beiden leistete, konnte Helena von ihrer Mutter vollumfänglich zu Hause betreut werden. Veronika Kisling nutzte diese Zeit auch, um das Filmprojekt ,Ich bin da – Entwicklung ist Beziehung’ aufzugleisen. Helena besuchte eine Tagesschule, nahm an Lagern teil etc., Leider wurde dieser Beitrag nach Ablauf des Pilotversuchs für Menschen mit einer schwereren geistigen Behinderung gestrichen, so auch für Helena. Dies brachte die allein erziehende Mutter in einen finanziellen Engpass. Aber anstatt zu jammern, hat sie sich entschieden eine kreative Lösung für das Problem zu suchen und nach Möglichkeit ihre Tochter mit ein zu beziehen. Helena lebt seit 2015 auf einer Wohngruppe vom LIV ( Leben in Viefalt Basel) und unternimmt weiterhin mit ihrer Mutter viele Aktivitäten, bei denen sie mitbestimmt.

„Willsch Schoggi mache?“

Das Filmprojekt ‚Ich bin da – Entwicklung ist Beziehung‘ soll die Geschichte von Helena erzählen. Es ist eine Geschichte, die Freude verbreiten möchte und Mut macht. Helenas Geschichte steht exemplarisch für viele andere Geschichten, die nie an die Öffentlichkeit kommen und die keinen so glücklichen Verlauf nehmen wie die von Helena. Helenas Verhalten war nämlich sehr schwierig. „Analog zum wirklichen Bemühen den Zugang zu ihr zu finden veränderte sich ihr Verhalten sehr positiv“, erklärt Veronika Kisling. „ Ich möchte mit dem Filmprojekt meinen Beitrag dazu leisten, das Wissen um die psychologischen Hintergründe von schweren Verhaltensstörung bei Menschen mit einer so genannten geistigen Behinderung zu verbreiten.“. Ausgangspunkt für die Erweiterung des Projektes hin zum Broterwerb war ein Gespräch mit Helena. „Ich fragte sie, wie wir denn nun Geld verdienen können, und sie antwortete mit: ‚Willsch Schoggi mache?‘“ Dazu muss man wissen, dass Helena Schokolade liebt und bei der Herstellung der speziellen, für sie verträglichen Schokolade überaus gerne mithilft. Ausserdem ist sie sehr kreativ und es fällt ihr immer wieder etwas Ausgefallenes ein.

Die zündende Idee

Mit dem Wunsch von Helena, selber bei der Herstellung eines Verbrauchsartikels engagiert zu sein, war der Grundgedanke für das Projekt ich bin da – Produkte geboren. Veronika Kisling ist Künstlerin. Ihre grosse Leidenschaft sind Kunstprojekte gemeinsam mit Menschen mit einer geistigen Behinderung. Im Verlauf der Jahre sind so viele wunderbare künstlerische Motive entstanden. Darunter viele von Helena. Auch hat Veronika Kisling angefangen Wortschöpfungen von Menschen mit einer geistigen Behinderung zu sammeln. Froh, frech manchmal auch und erfrischend anders kommen diese daher und vor allem authentisch und herzoffen. „ Als Helena kürzlich gesagt hat, ob wir wieder einmal Teigwahrheiten essen, hat es bei mir definitiv geklickt“, so Kisling. „Viele Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung stellen zum Teil sehr schöne Produkte her oder bieten Dienstleistungen an. Aber diese werden in der Regel im eigenen Betrieb zum Verkauf angeboten oder finden den Weg, wenn es hoch kommt, auf einen lokalen Markt. Die Konkurrenz ist gross und die Einnahmen gering. Um eine neue und lukrative Idee umsetzen zu können, müsste der Markt aufgebrochen und es müssten neue Verkaufskanäle gefunden werden. Neue Verkaufskanäle finden bedeutet aber auch neue Produktideen zu kreieren. Und zwar solche, die sich für den grossen Markt eignen. Warum nicht zum Beispiel über den bekannten Schweizer Teigwarenfabrikanten Pasta premium Teigwahrheiten herstellen lassen und diese dem Detailhandel zum Verkaufen anbieten? Oder Coop Naturaplan fragen, ob sie einen Honig verkaufen, der sich Konfi vo de Biene nennt oder Emmi, ob sie eine Biomilch herausgeben, die Saft vo de Chueh heisst. So vieles wäre da möglich! Witzig, charmant und mit Herz! Natürlich alles unter dem Label ich bin da. Und für die Etiketten werden herzerwärmende künstlerische Motive geistig behinderter Menschen verwendet. “ , schwärmt Veronika Kisling.

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Zitate

„ Mein Lebensmotto ist es, den Weg der grösstmöglichen Verantwortung zu gehen. Ich bin zwar durch die Begleitung meiner Tochter oft an die Grenzen gestossen, aber Helena ist auch zu meiner grossen Inspirationsquelle geworden: Das betrifft mich als ganzen Menschen, aber auch als Künstlerin.“
" Lache fescht und geduldig – grossartig...”